Bisher trennte er den «alten» und den «neuen» Kreis 5. Nun wird der Eisenbahnviadukt zum verbindenden Element.
Im Industriedenkmal aus der Gründerzeit entsteht eine aussergewöhnliche Einkaufs- und Gewerbemeile mit der ersten Markthalle Zürichs.
Das Interesse an den Viadukteinbauten war von Anfang an gross: Hunderte von Bewerbungen gingen für die Bögen und die Halle ein, nur 64 konnten berücksichtigt werden. Wichtig war die gute Durchmischung der Mieterschaft: ein Buch- und ein Feinkostladen, ein Goldschmied, eine Kinderkrippe und eine Designgalerie fanden Platz, Elektrofahrzeuge werden angeboten, und Tango wird getanzt. IM VIADUKT wird zur lebendigen, 500 Meter langen Einkaufs- und Gewerbemeile.
Direkt, schlicht, aufs Minimum reduziert – so lautete die Devise der Architekten EM2N. Die grobe Steinmauer bleibt selbst im Innern der Räume sichtbar, sodass der rohe Charme des Bauwerks weiterbesteht und das einzigartige Ambiente zur Geltung kommt. Das passt zum Vorhaben der Stiftung PWG, die Bögen zu günstigen Konditionen zu vermieten. Die Stiftung entstand vor 20 Jahren per Volksentscheid. Ihr Zweck ist es, Liegenschaften der Spekulation zu entziehen. Seither hat die PWG mehr als 140 Häuser erworben und vermietet 1500 Wohnungen und Gewerberäume zu kostendeckenden Mietzinsen.
Die Vision der PWG war ebenso quartierverträglich wie aussergewöhnlich: Ein Brennpunkt für Genuss, Ästhetik und Kreativität schwebte ihr vor, der der Stadt und den Mietenden nützen soll. Das Quartier profitiert von einem breiten, durchmischten Angebot für verschiedene Bevölkerungsgruppen. IM VIADUKT konzentriert die vereinzelten Kräfte des besonderen und kreativen Gewerbes.
Faire Mietkonditionen geben einer serviceorientierten und fachkundigen Mieterschaft Raum zur Entfaltung. Vergleichsweise moderate 200 bis 260 Franken pro Quadratmeter verrechnet die PWG den Mietenden jährlich. Die neuen Gewerberäume sollen zusätzlichen Autoverkehr möglichst vermeiden, denn es sind nur wenige Parkplätze vorhanden. Mehrverkehr wird so verhindert, Fussgänger- und Velowege dagegen werden aufgewertet.
Zwischen Limmat- und Heinrichstrasse teilen sich der Wipkinger- und der angebaute, etwas tiefere Lettenviadukt und bilden so ein langgezogenes Dreieck. Dessen Überdachung schafft eine zweigeschossige Halle. Hier entsteht, was wir bisher nur von mediterranen Zentren kannten: ein permanenter gedeckter Markt. Zürichs erste Markthalle wird ganzjährig sechs Tage die Woche geöffnet sein. In neun Brückenbögen sind fest eingebaute Läden untergebracht, die Halle dazwischen füllen 50 Marktstände von Bauern und Lebensmittelhändlern aus der Umgebung. Im hinteren Teil der Halle befindet sich das Restaurant – natürlich mit marktfrischer Küche.
Die sechzehn zweigeschossigen Atelier- und Ladenräume zwischen Heinrich- und Josefstrasse beherbergen Mode-, Lifestyle-, Outdoor- und Schuhläden, interessante Schweizer Labels, abgerundet von einer Buchhandlung und einer Cafébar. Entlang des Wipkingerviadukts verläuft ein neuer Fuss- und Veloweg. Eine wichtige, bisher aber wenig attraktive Quartierverbindung wird damit aufgewertet.
Die nächsten neun Einbauten liegen zwischen Josefstrasse und Neugasse, direkt an der Josefwiese. Der Park ist bereits einer der wichtigsten und stimmungsvollsten Begegnungsorte des Quartiers, die Mieter in den Bögen werden ihn zusätzlich beleben. Kulturprojekte und soziale Einrichtungen fand die PWG hier; Mieter, die das heutige Angebot um etwas Sinnvolles erweitern – für die Quartierbevölkerung, für Ältere und Jüngere, für Familien mit Kindern.
Weiter geht’s mit den sieben Einbauten zwischen Neugasse und der Durchfahrt Geroldstrasse. Aufgrund der benachbarten Wohnsiedlung vermietet die PWG diese Bögen an geräuscharme Betriebe – Läden und Ateliers sind hier goldrichtig. Bis zum Geleisefeld reihen sich weitere sechs Einbauten aneinander. Sie eignen sich wegen ihrer Lage besonders als Gewerbe- oder Verkaufsräume.
Die ersten Mietverträge schloss die PWG mit den sogenannten Ankermietern der Markthalle ab. Darunter befinden sich die Restaurant Gasometer AG (Betreiberin der Restaurants Josef, Italia, Lily’s und Primitivo), die St. Jakob Bäckerei und die Stadt Zürich, die bei der Josefwiese den Nachfolger für das Kinderhaus Stromboli betreibt. Mittlerweile sind alle Einbauten vermietet, und der angestrebte bunte Angebotsmix ist erreicht.
Neben Neugründungen haben sich bewährte Fachprofis für IM VIADUKT entschieden. So verschieden ihre Auftritte und ihre Vorschläge auch sind, eines haben sie gemein: Sie sind eigenwillig, originell, unabhängig und unterhaltsam.
«Wir möchten an dieser städtebaulich relevanten Stelle etwas Neues schaffen, das zugleich ein Beitrag an die Lebensqualität im Kreis 5 ist. Ein Begegnungsort für die Menschen im Quartier und eine Bereicherung für die ganze Stadt.»
Adrian Rehmann, Geschäftsleiter Stiftung PWG